Ein Sommertag in der Erlebniswelt Mendlingtal

 „Auf dem HOLZweg“ – unterwegs mit Hund im Mostviertel

Man nehme: Einen heißen Tag, der nach Abkühlung verlangt, einen willigen Vierbeiner, eine Picknickdecke, Sonnenschutz und vielleicht einen gut gefüllten Rucksack mit ein paar Snacks. Selbstverständlich ginge es auch den (willigen) Vierbeiner, aber bei uns ist kein Ausflug vollständig ohne Hund Coffee. Der freut sich nämlich am allermeisten, wenn's ans Wasser geht. 

Wohin es nun geht? Ins Mendlingtal im niederösterreichischen Mostviertel in der Nähe von Göstling an der Ybbs. Der dortige Themenweg, die Erlebniswelt „Auf dem HOLZweg“ führt fast die ganze Zeit am Mendlingbach entlang und hält viele schattige Schotterplatzerln direkt am Wasser für das eine oder andere Päuschen, Pfotenbad oder Wassertreten parat. Wir sind Wiederholungstäter und weil es diesmal fast tropisch heiß ist, fahren wir mit dem Auto zum Parkplatz 3 beim Herrenhaus und starten unsere Tour dort anstatt beim Dorfteich in Lassing. Unsere Variante hat den Vorteil, dass wir uns einen knappen, steilen Kilometer des Weges sparen. Stattdessen steigen wir direkt bei der Jausenstation Herrenhaus Mendlingtal ein und gehen fast eben – mit der einen oder anderen klitzekleinen Steigung entlang des Felsens oder auf den Holzstegen – bis zu unserem persönlichen Umkehrpunkt: Beim Schmiedegesellenhaus befindet sich der offizielle Eingang mit einer originalen Rauchkuchl und einer Ausstellung über das Leben von Holzknechten und Schmiedegesellen.

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Schluchten, Stege, Stufen im Mendlingtal

Gleich nach dem Herrenhaus (hier rundum war früher eine Holzknechtsiedlung) gelangen wir zum Fischteich und danach folgt schnell mein persönliches Highlight dieses Tages: die Großegger Quelle mit der funktionstüchtigen Mühle. Von der Quelle, die mit etwas mehr als 5 Grad zutage tritt, plätschert ein Wasserfall unter der Brücke hindurch, rund um die Mühle mäandert das Wasser vor sich hin, es gibt Trinkbrunnen, kleine Wasserräder und Holzstege zur „Walddusche“, verbunden mit wasserführenden schmalen Holzwannen: Wasser, so weit das Auge reicht. Die ehemalige Getreidemühle stand einst in Göstling auf einem Bauernhof, die Wälder rundum gehörten – wie viele Ländereien und Wälder Ende des 19. Jahrhunderts - der Famlie Rothschild. Die Mühle aus 1864 wurde renoviert und funktioniert immer noch prächtig, davon können wir uns überzeugen. 

Wir halten die dampfenden Köpfe unter die Brause mit dem frischen Flusswasser, waten durch den Bach und füllen unsere Wasserflaschen auf. Danach geht es durch die große und die kleine Klamm auf schmalen und gut gesicherten Holzstegen ganz knapp am Felsen zur Mendlingbachklause und weiter bis zur Klaushütte: Dort findet an jedem 1. und 3. Samstag im Monat von Mai bis Oktober das beliebte Schautriften statt.

Unterwegs wird das Bachbett auch breiter und einladender: Beim türkisgrünen Wasser stehen Holz-Liegen und Sessel zum Rasten, was wir weidlich nutzen. Hund Coffee darf einstweilen dem Stecken im seichten Wasser nachjagen, eine seiner Lieblingsbeschäftigungen unterwegs. 

Triften: Ein gefährliches Geschäft

Uns begleiten zahlreiche Schautafeln, die uns die harte Arbeit der Trifter von einst mehr als deutlich vor Augen führen. Vor allem die Großstadt Wien als Hauptstadt der k.u.k. Monarchie benötigte einst Unmengen an Holz, das unter schwierigsten Bedingungen über die Flüsse und eben diese Holztriftanlagen (wie auch im Gesäuse oder in den Wiener Alpen) auf teils sehr gefährliche Weise aus den Wäldern heraustransportiert werden musste. Die Triftanlage im Mendlingtal ist die letzte, die in dieser Region noch vollständig erhalten ist. 

Entlang der Route kann unser durstiger Vierbeiner auch immer wieder ans und ins Wasser: zum Trinken, Baden und Pritscheln. Derart erfrischt geht es weiter durch einen herrlich grünen Auwald auf breiten Stegen und auch teils an kleinen aufgestauten Bachbereichen bis zum Hauptwehr mit der Rechenanlage, wo die Holzstämme aufgefangen wurden. 

Übrigens wurden hier für die Steiganlagen 3.774 Stück Lärchenpfosten verbaut, die Anlage ist hervorragend in Schuss, natürlich ist es an manchen Stellen feucht und rutschig – schließlich hat hier das Element Wasser die Oberhand.

Erlebnisse rund um die Triftanlage

Über die schönen Stege geht’s zum Schmiedegesellenhaus und die dortigen Picknickbankerln: Pause! Danach ein Eis unter der kühlenden Eiche am Gras und eine Fußmassage am Barfußweg. Kinder finden einen Spielplatz vor und für den immer durstigen Vierbeiner gibt’s eine riesige Hundeschüssel am Brunnen. Dort auf dem großen, sehr sonnenexponierten Erlebnisgelände steht auch die Venezianer-Brettersäge, ein ganzes Gebäude, das man begehen kann. Seit dem 15. Jahrhundert versuchte man mithilfe der Wasserkraft Holz zu sägen: Diese Konstruktionen kamen über Venetien in unsere Breiten und waren bis vor etwa 50 Jahren tatsächlich noch in Betrieb. 

Am Retourweg staunen wir noch über die Hochwassermarkierungen und finden einen Baumstamm mit Kerben: Wäre das Wasser schon einige Grad wärmer, könnte man hier ein (schnelles) Flussbad nehmen. Beim Retourweg ist es schon sehr heiß und wir sind froh um jeden Meter Schatten im wunderschönen Auwald. In der kleinen Klamm ist es ohnehin so schmal, dass die Sonne kaum hereinreicht – übrigens sieht man an manchen Stellen zum Hochkar. Beim Herrenhaus kühlen wir uns noch bei einem eiskalten Getränk (nicht ohne Bauernkrapfen mit Eis) ab.

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Unser Fazit

Die Erlebniswelt Mendlingtal ist eine wunderschön und vorbildlich gepflegte Anlage – vom Einstieg bis zum Ausstieg, bzw. Umkehrpunkt. Wir wurden überall sehr freundlich willkommen geheißen, der Wunsch „Habts an schönen Tag!“ wurde uns mehrmals mit auf die Wanderung gegeben. Wer die Schlucht, Schotterbänke und Wasserzugänge so richtig ausnutzen will, nimmt sich ein Picknick mit und verbringt mehr Stunden am Wasser als beim Wandern. Der Steig ist gar nicht anstrengend zu gehen und oft im Schatten, dazwischen gibt's aber immer wieder sonnenexponierte Stellen. Die schmalen Steige können eng werden, wenn viel los ist, etwa an den Tagen mit dem Schautriften.

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Tipps

Parken:

Wer sich für den Parkplatz 3 beim Herrenhaus entscheidet, erspart sich die Steigung beim Eingang in Lassing (Parkplatz 1 und 2 sind jedoch deutlich größer). Man kann denselben Weg durch die Schlucht wieder retour wandern oder sich an einem Wander-Ende per Taxi abholen lassen. 

Einkehren:

Beim Kassahaus in Lassing gibt’s Eis und Getränke vom Automaten, die Jausenstation Herrenhaus Mendlingtal bietet warme Küche und Erfrischungen nebst einem großen Gastgarten. Weitere Einkehrmöglichkeiten sind das Alpenhotel Ensmann und das Hotel Fahrnberger.

Mit Hund unterwegs im Mendlingtal:

Tipps für Hundebesitzer: Im Mendlingtal gibt es sehr viele, feine Abkühlungsmöglichkeiten für wasserverliebte Vierbeiner, Trinkwasser braucht man für die Hunde nicht mitzunehmen. Der Steig ist bei Hundehaltern sehr beliebt, kein Wunder! Am ganzen Erlebnisweg gilt Leinenpflicht. 

Ersparnis mit der NÖ-CARD

Für zwei Erwachsene haben wir in der Erlebniswelt Mendlingtal je 10 Euro gespart und im Haus der Wildnis je 11 Euro. Insgesamt haben wir mit der Niederösterreich-CARD an diesem Tag 42 Euro gespart. 

Autor/in

Angelika

Angelika Mandler-Saul ist als Reisebloggerin fast das ganze Jahr über unterwegs, um über Reisen mit Kultur, Urlaub mit Hund oder interessante Ausflugsziele zu berichten. Auf ihrem Blog berichtet die Weinviertlerin seit 2013 regelmäßig von ihren Erlebnissen beim Reisen in aller Welt. Am allerliebsten ist Angelika allerdings mit Hund Coffee in Österreich on tour - beim Camping, Wandern oder Erkunden unbekannter „Geheimplatzerln“.