Schallaburg

Schallaburg

Schon bei der Anfahrt blitzen immer wieder die roten Ziegel der Dächer durch die mittlerweile belaubten Bäume und mir wird ein wenig warm ums Herz. Mit der Schallaburg verbinde ich nämlich einfach eine Art Heimatsgefühl – oder zumindest etwas Familiäres und Altbekanntes, da wir bereits bei einigen Ausstellungen in den letzten Jahren zusammen schöne Stunden dort verbracht haben.

Die Schallaburg liegt in der Nähe von Melk und hat mit seinen ältesten Bauteilen aus dem 11. Jahrhundert (!) bis hin zum Ausbau als Renaissanceschloss im 16. Jahrhundert schon viel von der Weltgeschichte miterlebt. Doch nicht immer sah es so rosig aus wie jetzt – zwei Weltkriege, eine Weltwirtschaftskrise und auch noch finanzielle Schwierigkeiten der letzten Besitzer haben dem Schloss etwas zugesetzt. In den späten 60er Jahren begannen aber bereits die ersten Sanierungsarbeiten, nachdem die Schallaburg an das Land Niederösterreich verkauft wurde. Mittlerweile gehört es zu einem der wichtigsten Ausstellungsorten Österreichs.

Auch der Schlossgarten wurde in den 70er-Jahren neu angelegt und bediente sich dabei an den Vorbildern italienischer Renaissancegärten. Neben penibel symmetrisch angelegten Beeten gibt es aber auch einen verträumteren Apfelhain zum Erholen.

Die Ausstellung selbst führt durch die Schallaburg und wird je nach Thema komplett an dieses angepasst, was ich immer sehr faszinierend finde und mir sogar oft schwer tu, die Räume aus anderen Ausstellungen wiederzuerkennen.

„Mit den Händen schauen, mit den Augen begreifen“ lautete diesmal die Devise. Es ging um die Anatomie, um altes Handwerk, um moderne Welten, um Geschick, Feinmotorik oder auch gröbere Tätigkeiten. Unsere Hände sind tatsächlich ein Meisterwerk. Das merke ich gerade, wenn ich mir bewusst machen, wie schnell meine Fingerkuppen mittlerweile über die Tastatur sausen. Das merkt man aber auch, wenn die Hände mal nicht wollen – so war das bei mir vor etwa zwei Jahren, als ich aufgrund großer Verspannungen meine Handgelenke kaum belasten konnte. Daher schätze ich umso mehr die Eleganz, das Feingefühl und die Anwendungsmöglichkeiten meiner zehn Finger und der dazugehörigen Hand.

Die Ausstellung ist ganz unterschiedlich aufgebaut – von kleinen Mitmachstationen bis hin zu vielen Ausstellungsstücken der Weltgeschichte; von filigranen alten Schnitzereien bis hin zum modernen 3D-Druck.

Sehr gespannt war ich bereits auf den Ausstellungsguide, denn diesen konnte man sich diesmal quasi selbst herstellen – mit seinen Händen J. Durch die Ausstellungsräume schlendernd kann man immer wieder an Stationen kleine Anleitungen für DIYs (do it yourself – Projekte oder Rezepte) aufsammeln und diese am Ende der Ausstellung zu einem kleinen Büchlein binden. Aufgeregt war ich diesbezüglich auch deshalb, da mein Freund und ich ein Rezept dafür beisteuern durften und wir dieses gleich zu Beginn im ersten Raum (Thema „Backen“) gefunden haben. Da pulsierte der Stolz ein wenig durch die Hände, als sie das Papier hielten.

Besonders ans Herz möchte ich euch auch noch die sogenannte „Handwerkstatt“ legen – denn hier könnt ihr selbst Hand anlegen, wenn es im Schlosshof zu unterschiedlichen Themen an jedem ersten Wochenende im Monat Angebote gibt (zum Beispiel Anfang September Fotografieren und Animieren oder Anfang August Schreiben, Schöpfen und Färben oder Anfang Oktober Formen – Pflegen – Schaffen).

Stärkung im Gasthaus zur Wallfahrtskirche in Steinparz

Mit der Niederösterreich-CARD könnt ihr auch beim Wirtshauskultur-Partner profitieren: Es gibt dafür eine eigene Karte aller 220 Gaststätten, die mitmachen und mit eurer Karte könnt ihr Bonuspunkte sammeln: Ab einem Rechnungswert von 20€ sammelt man pro weiterem Euro Bonuspunkte. Bei 500 Punkten bekommt man einen 10€ Gutschein per Mail. Den kann man wiederum beim nächsten Wirtshaus einlösen.

Vor dem Besuch der Schallaburg haben wir uns noch ordentlich im Gasthaus zur Wallfahrtskirche in Steinparz gestärkt, das nur wenige Minuten entfernt, eine Hügelkuppe weiter, liegt. Das Gasthaus kannte ich bereits, da wir im Herbst immer mit meinen Großeltern Wildessen sind (sehr empfehlenswert dort!) – aber auch die Frühjahrsküche ließ sich im April sehen; ich sage nur Semmelknödel mit Bärlauch und brauner Butter. Besonders erwähnenswert finde ich, dass dort klassische Wirtshausküche mit modernen Komponenten vermischt; denn es gibt beispielsweise auch einen richtig guten Burger!

Als letzten Tipp kann ich euch hier nur sagen: Unbedingt vorher kurz anrufen und reservieren. Dort ist immer recht viel los – und das nicht unbegründet! :)

Fazit

Die Ausstellung ist definitiv einen Besuch wert – ich würde euch aber raten, diesen nicht nur auf die Ausstellung zu begrenzen, da man gefühlt recht schnell auch durch ist (etwa eine Stunde). Von der Ausstellung hätten wir uns noch eine Spur mehr Interaktivität erwartet, das bekommt man aber sicher an den ersten Wochenenden jedes Monats, wenn es themenspezifische Angebote gibt.

Das Areal bietet übrigens so viel mehr; borgt euch einen Bogen aus und übt das Schießen, spielt mit XXL-Spielen im Schlosspark, spaziert zum Apfelhain oder lauscht einfach nur dem bunten Treiben an einem lauen Sommernachmittag.

 

Tipps

Beachte, dass die Ausstellungen auf der Schallaburg Wechselausstellungen sind und somit nicht das ganze Jahr besucht werden können. „Der Hände Werk“ ist noch bis am 3. November 2019 für euch geöffnet. (Mo-Fr 09:00-17:00, Sa, So und Feiertag 09:00-18:00 Uhr).
Es gibt auch die Möglichkeit eine Führung für einen Aufpreis von 3,50€ pro Person zu buchen. Diese dauert 75 Minuten und findet zu unterschiedlichen Zeiten stat (siehe Führungsinfos auf der Webseite.)

Mehr Infos zur Ausstellung: Der Hände Werk

Anfahrt: Fahrtzeit zur Schallaburg mit dem Auto:
– Von Wien: etwa 1 Stunde 10 Minuten
– Von St. Pölten: etwa 30 Minuten
– Von Linz: etwa 1 Stunde 5 Minuten
– Von Eisenstadt: etwa 1 Stunde 20 Minuten

Gut zu wissen: Der Ausflug ist sowohl kinderwagen- als auch rollstuhlgerecht.

Mitzubringen: Wenn man das ganze Areal erkunden möchte, sollte man je nach Wetter passend bekleidet sein. Die Ausstellung selbst befindet sich in der Burg. Auch eine Garderobe findet ihr im Eingangsbereich auf, sodass man Jacken, Schirm und Co ganz einfach einstweilen aufbewahren kann. (Achtung, für die Garderobe wird – wie fast überall – jedoch keine Haftung übernommen.)

Auf alle Fälle darf ein Fotoapparat oder das Handy nicht fehlen, denn die Burg und Ausstellung haben so manch‘ feine Motive für euch parat!

Kinder: Die Schallaburg und auch die Ausstellung sehe ich auf alle Fälle für Kinder geeignet. Es gibt einen wunderbaren Spielplatz im „Burggraben“, der sich sehen lässt. Leider kann ich mit keinen Fotos dienen, da der „Rutschendrache“ mit einer Länge von 35 Metern von vielen Kids besetzt war. :)

Auch die Ausstellung selbst bietet Input für Klein und Groß. Mit kleinen interaktiven Stationen und dem schon erwähnten Ausstellungsguide kann man zusammen viel Schönes erleben und Spannendes entdecken – und gerade Kinderhände können ja nicht genug anfassen.

Derzeit gibt es auch jeden Samstag das Angebot „Bogen schießen“ (auch für Erwachsene, juhu!). Mit dem Mediaguide (im Arkadenhof erhältlich) kann man sowohl die Ausstellung als auch Burggeschichten medial aufbereitet erkunden und somit noch mehr Wissen vermitteln.

Neu ist auch, dass es XXL-Spiele gibt. So kann man sich Mikado, Domino, Vier Gewinnt und Co kostenlos bei der Kassa ausborgen und im Schlossgarten damit spielen. Herrlich!

Hunde: Das Mitbringen von Tieren ist leider nicht gestattet – das gilt für das gesamte Innenareal (auch Schlossgarten). Es gibt aber eine Hundetränke beim Empfangsbereich, wenn man nur rasch die Ausstellung ansehen möchte, weil man beispielsweise auf der Durchreise zu einem anderen Ausflugsziel ist und Der Hände Werk noch mitnehmen möchte. Rund herum lässt sich die Gegend auch erkunden. Es gibt kleine Spazierwege, einen Weiher und viel Waldgebiete.

Ausflugsziele in der Nähe: Wenn ihr schon in der Nähe seid, könntet ihr beispielsweise mit eurer Niederösterreich-Card auch folgende Ziele besuchen: Stift Melk, Schloss Artstetten, Oskar Kokokscha Zentrum, Schatzkammer der Basilika Maria Taferl, Besucherkraftwerk Ybbs. Schaut euch einfach mal auf der Karte um; dann könnt ihr euren Tagestrip planen und vielleicht sogar zwei bis drei Ausflüge kombinieren.

 

Ersparnis

Der Eintritt für einen Erwachsenen würde 11€ kosten (10€ ermäßigt für StudentInnen, SeniorInnen,…). Kinder und Jugendliche (6 – 18 Jahre) würden 3,50€ zahlen. Mit der Niederösterreich-CARD ist der Eintritt einmalig frei.
Bei uns – vier Erwachsene – haben wir also insgesamt 44€ eingespart.

 

Autor

Stef, © magnoliaelectric.at

Stef

Stef bloggt seit knapp neun Jahren über alles, was in ihrem Leben Wichtigkeit hat. Im Laufe der Zeit haben sich aus den vielen Bereichen neben Bücherrezensionen, DIYs und Fotografietipps drei Schwerpunkte herauskristallisiert: das Reisen, Rezepte und Interior.

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